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Betrachtungen eines Anfängers

Von dem Verlangen getrieben, endlich zu singen, forschte ich im Netz mit "Hilfe, ich kann nicht singen" und fand Sacred Harp Bremen.

Ich bin nun ca 8 Wochen dabei und möchte meine Freude über diesen Treffer mit ein paar Worten zum Ausdruck bringen.

Ihr seid Exoten, einzigartig in der Welt des Cantos und überhaupt.

Ich kann einfach kommen, keine Vereinsmitgliedsschaft, keine Aufnahmegebühr, keine Eintrittsgebühr, keine Kündigungsfrist und noch nicht einmal eine Religionszugehörigkeit und trotz alledem eine Flatrate, jeden Donnerstag zum Chanten zu kommen.

Hätte ich nicht im Netz nachgeforscht, ich wüsste bis heute nicht, wer die tragenden Köpfe unserer Gruppe sind. Niemand leitet, niemand gibt den Ton an oder bestimmt wo es lang geht. Wie von Zauberhand geführt nehmen die Dinge ihren Lauf. Wie angenehm, wie entspannend!

Noch nicht einmal für die Organisation der Convention am Wochenende brauchte es einen Organisator; das machen einfach Leute, die Lust und Freude dazu hatten.

Und die Kosten und das Essen? Da wird einfach gespendet und gekocht, was das Zeug hält.

Ich bin bisher weit davon entfernt, auch nur einen Bruchteil der Lieder fehlerfrei mitzusingen. Aber es hat mich irgendwie  gepackt. Vereinzelt gelingen einzelne Tonfolgen von Mal zu Mal sicherer und es ist dann wunderbar, meine Stimme in nie gekannter Weise jubilieren zu hören.

Zwischendurch dann packt mich aber manchmal auch der große Frust, wenn ich völlig verloren gehe in einem Chaos aus Rhythmus, Shapes, Strophen, Pausen, Einsätzen, Wedeln und Luftholen.

Aber oft nicht für lange. Ich weiß, viele von euch haben ähnlich wie ich angefangen und es ist einfach schön, wenn auf mein hilflos-hektisches Schielen in das Liederbuch meines Nachbarn ein behutsam aber bestimmt gleitender Zeigefinger mich wieder zurück ins Boot holt.
 
Ein ganz besonderes Erlebnis war für mich, dass ich mich trotz panikartiger Abwehr dazu überreden ließ, am Sonntag bei der Convention zu "wedeln".

Ich gehe in die Mitte, David aus London an meiner Seite, wir geben den Einsatz zu "The Ninety-Third Psalm", ein Sturm bricht los, die Orkanböen von Sopran und Alt tosen über mich hinweg, spülen mich weg, ich wedle hilflos,  mein Fa ist in diesem Chaos  nicht mehr zu orten, kein Ton kommt über meine Lippen, oh Gott, Katastrophe!

Aber dann, vor der 3. Strophe plötzlich "Du kennst das Fa", "Sing das Fa!", "Sing es laut, das Fa!".  "Faaaaaa!!", auf einmal klappt's, es folgt das Fa, das La, das So... glockenklar und fortissimo, im richtigen Rhythmus, unfassbar, es hat geklappt.

Danke, dass es euch gibt.